Google Core Web Vitals

Die bereits vor einigen Monaten in der Google Search Console aufgetauchten Core Web Vitals, werden ab 2021 ein Rankingfaktor. Damit stellt Google einheitliche Qualitätssignale bereit, welche widerspiegeln, wie die Nutzererfahrung auf einer Webseite ist. Was gibt es zu beachten? Warum ist das nicht nur für SEO relevant?

Google nimmt jedes Jahr zahlreiche Updates an seinen Suchalgorithmen vor. Die herausstechendsten davon sind die Core Updates, die in der Regel große Einflüsse auf die organischen Rankings der meisten Webseiten haben. Wer hat nicht schon von ihnen gehört: sie heißen Pinguin oder Panda und haben in den letzten Jahren zahlreichen Online Marketeers den Schweiß auf die Stirn getrieben. Von den Tiernamen hat sich Google schon vor einiger Zeit verabschiedet, Seitenbetreiber sollten dennoch kontinuierlich darauf achten, wie sich die Platzierung ihrer Website in den SERPs verändert.

Mit Erscheinen dieses Blogbeitrags hat Google auch das Erscheinungsdatum offiziell bekannt gegeben. Johannes Beus kündigt in diesem Google Blogeintrag das nächste große Update für Mai 2021 an. Ab dann werden die Core Web Vitals zum offiziellen Rankingfaktor in den Google SERPs.

Die Page Experience Signals

Zusammengefasst handelt es sich um einen neuen großen Rankingfaktor, den Google plant. Hierbei soll, wie auch bereits bei vorangegangenen Updates der letzten Monate, der User im Mittelpunkt der Page Experience stehen.

Im Zuge des neuen Rankingfaktors, wurden auch die sogenannten Core Web Vitals eingeführt. Diese visualisieren Webseiten Betreibern, die User Experience ihrer Seitenbesucher und helfen dabei, Verbesserungspotenziale zu erkennen.

Core Web Vitals bestehen aus:

  • Largest Contentful Paint (LCP)
  • First Input Delay (FID)
  • Cumulative Layout Shift (CLS)

Diese werden mit bereits etablierten User Experience Signalen kombiniert. Dabei handelt es sich um vier Aspekte, die bereits jedem Webseitenbetreiber und Suchmaschinenoptimierer bekannt sein sollten:

  • Mobile Friendly: Mit Googles Mobile First-Index muss jede Website in erster Linie für Smartphones/Tablets optimiert sein, wenn sie über die organische Suche auffindbar sein soll.
  • SSL-Zertifikat: Webseiten sollten nicht nur seit der DSGVO ein SSL-Zertifikat besitzen. Ein kleines Schloss neben der URL zeigt eine sichere Website an.
  • Keine Interstitials: Damit sind Elemente oder Pop-ups gemeint, die den eigentlichen Content überdecken und erst weggeklickt werden müssen. Es gibt hier lediglich Ausnahmen, wie gesetzliche oder ethische Hinweise.
  • Safe-Browsing: Über das SSL-Zertifikat bzw. eine sichere Verbindung über HTTPS hinaus sollte eine Website sicher sein. Der Security Issues Report kann in der Google Search Console eingesehen werden. Er verrät, ob es Probleme beim sicheren Surfen gibt.

Die zuvor genannten Aspekte sollten Webmastern hinlänglich bekannt und auf jeder guten Website bereits umgesetzt worden sein. Dazu kommen für 2021 drei weitere Rankingaspekte, die Google als Core Web Vitals zusammenfasst.

Die Page Experience Signals; Quelle: https://webmasters.googleblog.com/2020/05/evaluating-page-experience.html

Warum eigentlich das Update?

Google arbeitet seit Jahren an intelligenten Algorithmen, die auf sehr smarte Art und Weise Webseiten bewerten. Es geht nicht mehr vornehmlich um Keywords und Seiten, die speziell für eine Maschine erstellt worden sind. Texte sollen wieder von echten Menschen geschrieben und Webseiten sollen benutzerfreundlich gestaltet sein. Nicht die Suchmaschine, sondern der User soll glücklich werden – dann, so Googles Sicht, ist auch der Suchmaschinenbetreiber zufrieden! Da macht es nur Sinn, auch die Aspekte einzubeziehen, die einem oft genug beim Surfen auf die Nerven gehen: langsame und holprige Webseiten, auf denen ständig etwas nachlädt und dadurch der Lesefluss gestört wird. Google verfolgt also weiter das Ziel, von einer Suchmaschine zu einer Antwortmaschine zu werden und dabei Benutzern eine ganz bestimmte Erfahrung zu ermöglichen.

Was sind Core Web Vitals überhaupt?

Bei den Core Web Vitals handelt es sich um drei technische Metriken, welche die User Experience auf einer Website messbar und damit auch vergleichbarer machen sollen. Anders ausgedrückt: die Nutzererfahrung auf einer Webseite wird als qualitativ messbarer Wert für Seitenbetreiber sichtbar. Hierzu zählt die Ladegeschwindigkeit eines Webauftrittes, die Interaktion mit den Elementen auf der Seite und die visuelle Stabilität. Google lässt bei diesem Update Betreiber von Webseiten und Suchmaschinen Experten nicht im dunkeln und beschreibt die einzelnen neuen Metriken ganz genau.

Core Web Vitals Metriken

Die Metriken, die die Core Web Vitals ausmachen; Quelle: https://web.dev/vitals/

Largest Contentful Paint (LCP)

Der Largest Contentful Paint (LCP) gibt die Ladezeit an, die eine Webseite benötigt, bis der größte Block mit Content auf einer Seite geladen ist. In der Regel handelt es sich dabei um den Hauptinhalt. In den Messwert bezieht Google die Zeit in Sekunden ein, die eine Webseite benötigt, um nach Anforderung dieser den Hauptcontent im Browser anzuzeigen. Alles was über 4 Sekunden zum Laden benötigt wertet Google, in Hinblick auf den LCP, als schlecht. Gute Seiten werden in weniger als 2,5 Sekunden geladen.

Studien zufolge, springen mehr als 30% der Besucher bei Ladezeiten von 3 Sekunden bereits ab und verlassen die Seite wieder. Damit sinkt die Conversion Rate durchschnittlich um 7% je Sekunde, die über den von Google anvisierten 2,5 Sekunden Ladedauer liegt.

First Input Depay (FID)

Dieser Faktor zeigt auf, wann Webseite sich in Interaktionsbereitschaft befindet. Der First Input Delay (FID) ist die Kennzahl dafür, wie lange eine Seite benötigt, damit eine Eingabe, beispielsweise eine Interaktion durch Klicken, möglich ist. Zu den Seitenelementen können beispielsweise zu vergrößernde Bilder in einem Webshop gehören oder Formulare um eine Kundenanfrage zu stellen. Die Geschwindigkeit bewertet Google als schlecht, wenn 300ms und mehr vergehen und mit gut, wenn eine Seite bereits nach 100 Millisekunden oder weniger bereit zur Interaktion ist. Über den FID kann also die technische Qualität und Verlässlichkeit einer Webseite abgelesen werden und gibt Hinweise auf mögliche OnPage Interaktionshindernisse.

Cumulative Layout Shift (CLS)

Über Cumulative Layout Shift (CLS) wird bemessen, wie es um die visuelle Stabilität des Layouts einer Webseite beschaffen ist und gibt an, ob sich einzelne Layout-Elemente während der Nutzung verschieben. Ein häufig vorkommendes Problem, dass jeder kennt: man möchte beispielsweise einen Button oder Bild-Link anklicken, doch während des Vorgangs, verrutscht das Layout und der Klick führt ins Leere oder auf ein ungewolltes Ziel. Je komplexer eine Website, desto schwieriger ist es hierbei gut abzuschneiden. Asynchron ladende Inhalte wie Videos oder Hinweisbanner verschieben oft den Inhalt einer Website. Um die Layoutverschiebung zu bewerten gibt es zwei Messfaktoren, die miteinander multipliziert werden:

  • Impact Fraction: Wie viel Prozent des Bildschirms wurden bewegt?
    Beispiel: Es werden 50% des Inhalts um 25% nach unten geschoben. Durch die Verschiebung sind somit 75% der Bildschirmfläche betroffen (25%+50%). Die Impact Fraction hat somit einen Wert von 0,75.

    Impact fraction

    Quelle: https://web.dev/cls/

  • Distance Fraction: Um wieviel Prozent wurde wurden Inhalte bewegt?
    Beispiel: Die Distance Fraction ist in diesem Fall 25%, da sich der Inhalt um genau diesen Wert verschoben hat. Der Wert der Distance Fraction beträgt damit 0,25.

    Distance fraction

    Quelle: https://web.dev/cls/

Für die Berechnung in unserem Beispiel werden beide Werte multipliziert:

  • CLS = Impact Fraction x Distance Fraction
  • CLS = 0,75 * 0,25
  • CLS = 0,1875

Ein guter Score liegt bei unter 0,1, ab 0,25 wird er als schlecht bewertet. In gezeigten Beispiel gibt es also noch Potential zur Verbesserung!

Die Core Web Vitals Messen

Google bietet verschiedene Möglichkeiten an, die Core Web Virals zu Messen und die Werte einzusehen. Über die Google Search Console, die Page Speed Insights oder Google Lighthouse Browsererweiterung, lassen sich Reports erstellen oder Ansichten generieren, die Informationen zu den Google Core Web Vitals liefern.

Mittels weiterer Analyse dieser Daten lassen sich Potenziale für Optimierungen genauso wie mögliche Hinweise auf technische Probleme ergründen. Sind von niedrigen Ergebnissen betroffene Seiten zudem noch Conversionrelevant, erhält man hier erste Hinweise für Maßnahmen.

Fazit

Noch spielen die kommenden Core Web Vitals keine Rolle für das Ranking auf Google. Jeder Besucher einer Website wäre aber heute schon froh, wenn die User Experience auf vielen Seiten besser wäre und diese schnell laden als auch sauber sowie flüssig funktionieren würden. Website Betreiber sollten als nicht warten bis es soweit ist – denn zufriedene Kunden erzeugen auch eine positive E-Commerce Bilanz. Beschäftigen Sie sich jetzt mit den Optimierungen und planen Sie die Umsetzungen zeitnah ein. Zwar dankt es Google aktuell noch nicht, dafür jedoch jeder Ihrer Webseitenbesucher und Ihr Online Auftritt ist für 2021 bereits bestens aufgestellt.

User Experience und Geschwindigkeitsoptimierung von P&M

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