7 klassische Fehler bei internationalem SEO mit HREFLANG

Internationales SEO mit HREFLANG

Sobald man als Unternehmen mit seiner Webseite oder seinem Online Shop in mehr als einem Land aktiv wird, kommt der Suchmaschinenoptimierung nun auch die Aufgabe zuteil dafür zu sorgen, dass Webinhalte jeweils in den passenden Länder-Suchmaschinen ranken.

Betreibt man z.B. einen Online Shop mit unterschiedlichem Sortiment für Deutschland und Österreich, wäre es von Nachteil wenn österreichische Kunden über Google auf Inhalte für deutsche Kunden geleitet werden.
Damit dies nicht passiert, empfehlen wir in der internationalen SEO die Verwendung von HREFLANG für eine klare sprachlich-geographische Auszeichnung für Suchmaschinen.

Bevor wir zu den 9 klassischen Fehlern kommen, die uns bei Webprojekten mit internationalem Fokus aufgefallen sind >>Direkt zu den HREFLANG Fehlern springen<<, noch ein kurzer allgemeiner Abschnitt, für alle die erst kürzlichst das HREFLANG Attribut kennengelernt haben.

HREFLANG – das Sprach-Länder-Attribut 

Wann verwenden Sie HREFLANG? Wenn Seiten/URLs mit identischem Inhalt in verschiedenen Sprachen übersetzt existieren. Dies verhindert Duplicate Content und regelt die Indexierung auf sprachlich-geographischer Ebene bei Google.  

Diese Seiten müssen sich nicht alle auf der gleichen Domain befinden. Ihr englischer Inhalt könnte zum Beispiel unter https://www.domain.co.uk und Ihr spanischer Inhalt unter https://www.domain.es zu finden sein. Oder diese Seiten können sich auf verschiedenen Subdomains befinden, wie en.domain.com oder at.domain.de. Sie könnten sogar separate Ordner für jede Sprache erstellen, z.B. www.domain.com/de/ . 

HREFLANG signalisiert also den Suchmaschinen, dass der Inhalt einer URL genau derselbe ist wie der Inhalt einer anderen URL (oder mehrerer), die in einer anderen Sprache verfasst sind. 

Welche klassischen Anwendungsfälle von HREFLANG gibt es?

  • Online Shops und Websiten mit verschiedenen Sprachversionen und geographischen Zielausrichtungen existieren
  • Blogs oder einzelne Blogbeiträge
  • Produktseiten für E-Commerce-Websites. Die Preise und Währungen dürfen hierbei auf beiden Seiten unterschiedlich sein. Der Hauptinhalt – Produktbeschreibung, Bilder, Videos, Bewertungen – sollte auf beiden Seiten im Wesentlichen identisch sein. 
    • Kleine Unterschiede wie beispielsweise Produktmaße in metrischen Einheiten wie cm statt Zoll oder verschiedenen Währungen, sind vollkommen in Ordnung.
    • Kundenrezensionen sollten idealerweise übersetzt werden, gelten aber als zusätzlicher Inhalt, so dass es in Ordnung ist, wenn die Seiten in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Kundenrezensionen aus den jeweiligen Ländern o.ä. aufweisen. Es ist auch in Ordnung, englische Bewertungen (ohne Übersetzung) auf der deutschen Seite zu zeigen, jedoch empfehlen wir dies in den meisten Fällen nicht. Grund: gerade User aus dem deutsprachigen Raum reagieren oft sehr sensibel oder mit Furcht (“Ist diese Seite sicher?”) auf sprachliche Vermischungen und es könnte hier daher ein negatives Besuchererlebnis erzeugt werden.
  • Spezielle Landingpages für Tools, Widgets oder Jobanzeigen
  • Einzelne Informationsseiten über das Unternehmen, wie die Seite “Über uns”, Informationen zu Investor Relations, Seiten, die die angebotenen Dienstleistungen beschreiben, Presse.
    • In den meisten Fällen ist es jedoch sinnvoller, die komplette Webseite als eigenständige Version bereitzustellen.
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So sieht HREFLANG im Quelltext aus

Ein Beispiel wie HREFLANG im <head>-Bereich des Seitenquelltextes für eine zweisprachige Seite, bei der die Sprachvarianten unter einer Domain als Verzeichnis abgelegt sind, eingetragen wird:

<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.domain.com/en/home" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.com/de/startseite" hreflang="de-DE" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.com/de/startseite" hreflang="de-AT" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.com/de/startseite" hreflang="de-CH" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.com/en/home" hreflang="en" />

Und ein HREFLANG Beispiel für eine mehrsprachige Unternehmensseite mit Fokus auf der DACH Region:

<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://www.domain.de/en/" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.de" hreflang="de-DE" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.at" hreflang="de-AT" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.ch" hreflang="de-CH" />
<link rel="alternate" href="https://www.domain.de/en/" hreflang="en" />

1. HREFLANG Fehler: HREFLANG nur auf der Startseite implementieren

Häufig wird HREFLANG mit guter Absicht implementiert – technisch jedoch nicht korrekt umgesetzt. So wird sehr oft nur die Startseite mit HREFLANG ausgezeichnet. Technisch muss jedoch JEDE Seite/URL, welche in verschiedenen Sprachen existiert – unabhängig ob unter einer Domain (als Subdomain/Verzeichnis) oder auf verschiedene TLDs verteilt – ausgezeichnet werden.

Ebenfalls sehr häufig: Nur eine Sprachversion wird URL-seitig im Quellcode ausgezeichnet. Hier ist es ebenfalls ungünstig und kann – gerade im DACH Sprachraum – häufig zu Fehlrankings in der falschen Ländersuchmaschine kommen.

2. Nur “Nicht-Länder-Domains” wie .com benötigen HREFLANG

Die übliche Annahme bei Verwendung verschiedener Domains: Die Suchmaschine erkennt anhand der ccTLD, z.B. “.de”, dass diese Domain nur in Deutschland ranken soll. Domainendungen wie .net oder .org und natürlich die am meisten verwendete .com hingegen sind länder- und sprachunabhängig und benötigen daher (manchmal auch: in jedem Fall – also auch ohne verschiedene Sprachinhalte) immer eine HREFLANG Auszeichnung.

Leider wird es sich hier sehr einfach gemacht. Diese Fehler lassen sich aber durch Webtools wie beispielsweise SISTRIX schnell aufdecken. So ranken Seiten ohne HREFLANG, trotz Länder-Domain häufig auch dort, wo die eigentlich dafür vorgesehene Sprach-Domain alleine ranken sollte. 

Je nach Fall kann es jedoch sein, dass das Ranking dennoch überwiegend funktioniert, da man dies beispielsweise bei der Kombination Länderdomain und Google Search Console Einstellungen halbwegs steuern kann. Dies ist jedoch immer ein Spiel auf Zeit und Konkurrenz, das Sie verlieren.

Deswegen: Verwenden Sie das hreflang-Element für jede Seite, die eine Alternative hat, unabhängig davon, auf welcher Domain sie sich befindet. Während ccTLDs ein starkes geografisches Signal sind, zeigen sie keine Sprache an, so dass ccTLD und hreflang die perfekte Kombination sind, um Mehrdeutigkeit zu beseitigen.

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Zusätzlich (nicht alternativ!) können Sie auch HREFLANG in den XML Sitemaps auszeichnen und so darüber hinaus Klarheit für Suchmaschinen herstellen.

Bei Nicht-HTML Inhalten wie z.B. PDF oder Bild Dateien, kann mit einer x-HREFLANG im HTTP Header gearbeitet werden.

3. X-Default richtig verwenden

Fast schon ein SEO-Mythos – häufig liest und hört man als Empfehlung bei der Einrichtung eines X-Defaults, diesen nur zu setzen, wenn man auch eine entsprechende Landingpage hat, auf welcher die Sprachauswahl im Fokus liegt. Beispiel für eine klassische Einstiegsseite mit Länderwahl ohne Dropdownmenü ist https://www.bosch-professional.com/.

Häufig ist die Realität jedoch folgende: Es gibt keine spezielle Startseite oder Landingpage mit Sprachauswahl – bestenfalls einen globalen Bereich im Header wo man per Button/Dropdown die Sprache wechseln kann.

Doch auch in diesem Fall ist es häufig sinnvoll einen x-Default zu verwenden: dieser kann beispielsweise auf die englischsprachige Version verweisen.

4. Webseiten für Regionen benötigen keinen HREFLANG

“Regional Sites” oder Webseiten für Regionen sind ein Ansatz bei beschränktem Budget, um mehrere Länder in einer Region mit einer einsprachigen Webseite anzusprechen.

International sind die häufigsten Webseiten dieser Art für die Regionen DACH – die deutschsprachige Region für Deutschland (D) – Österreich (AT) – Schweiz (CH), APAC – die Länder des asiatisch-pazifischen Raums, LatAM – die Länder Süd- und Mittelamerikas und MENA – die arabischsprachigen Länder des Nahen Ostens und Nordafrikas.

Sinnvoll sind zwei Möglichkeiten:

  1. Sie zeichnen die Regional Site mit HREFLANG nur auf der Sprachebene aus. Beispiel für eine MENA-Seite in arabischer Sprache:
    <link rel=”alternate” hreflang=”ar” href=”https://www.domain.com/meana-ar/” />
  2. Sie zeichnen die Regional Site mit HREFLANG aus und geben die gleiche URL für verschiedene Länder mit gleicher Sprache aus. Beispiel für eine DACH-Seite in deutscher Sprache:
    <link rel=”alternate” hreflang=”de-DE” ref=”https://www.domain.com/dach-de/” />
    <link rel=”alternate” hreflang=”de-AT” href=”https://www.domain.com/dach-de/” />
    <link rel=”alternate” hreflang=”de-CH” href=”https://www.domain.com/

5. Platzsparender Tipp (Nicht): Canonicals und HREFLANG werden kombiniert

Häufig ein Fehler der aus guter Absicht eingebaut wird: Jedes Zeichen im Quellcode ist auch ein Zeichen das vom Browser kompiliert werden muss – also die Seitenladezeit beeinflusst (wenn auch nur minimal). Häufig kommt es dann zu diversen SEO Problemen und im besten Fall wird es einfach von Suchmaschinen ignoriert.

Beispiel: <link rel=”Canonical” hreflang=”en-GB” href=”https://www.domain.com/uk/”/>

Das rel=canonical Element muss genau wie das rel=hreflang eine eigenständige Einheit sein, um korrekt von Suchmaschinen Bots interpretiert zu werden. Canonical und HREFLANG also unter keinen Umständen miteinander kombinieren, sondern den Canonical getrennt von der HREFLANG Auszeichnung betrachten und einbinden.

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Korrekt würde es daher folgendermaßen ausgezeichnet werden, jeweils seperat:<link rel=”alternate” hreflang=”en-GB” href=”https://www.domain.com/uk/” />
<link rel=”canonical” href=”https://www.domain.com/uk/”>

5.2 Noch mehr Spar-Fehler mit HREFLANG: Multiple Codes

Ein weiterer Fall von gut gemeint, aber übers Ziel hinaus, ist das Verschachteln von mehreren Sprach- und Länderauszeichnungen in einem HREFLANG Attribut. Ein Beispiel:

<link rel=”Canonical” hreflang=”de, de-DE, de-AT, de-CH, de-FR” href=”https://www.domain.com/de/”/>

Dies funktioniert so nicht, hier ist die Dokumentation von Google sehr eindeutig, dass für jede URL ein eigenes hreflang-Element erstellt werden muss. 

Wenn hreflang nicht richtig eingesetzt wird, auch in diesem Beispiel, wird es von Suchmaschinen ignoriert.

6. Falsche HREFLANG ISO-Codes

Einige Webseiten, die beispielsweise Inhalte in englischer Sprache für alle europäischen Länder bereitstellen, zeichnen diese mit HREFLANG “en-EU” aus. Es gibt jedoch kein “eu” als Länderkennzeichnung. Andere Webseiten, welche im lateinamerikanischen Markt aktiv sind, haben ihre regionale LatAm-Site auf “es-la” eingestellt, in der Hoffnung, Google würde “la” als Lateinamerika interpretieren, obwohl es eigentlich der Ländercode für Laos ist.

Bislang gibt es keine HREFLANG Parameter für bestimmte geographische, politische oder wirtschaftliche Regionen.

7. HREFLANG: bidirektional + selbstreferenzierend

Die Implementierung von HREFLANG muss jedes Mal auf allen Seiten-Sprachvarianten gegenreferenziert werden. Oftmals fehlt die passende Gegenreferenz und dies sorgt für unbeabsichtigte Fehlrankings im falschen Sprachraum.

Jede existierende Sprachvariante muss auch die Information der anderen Varianten im Quellcode enthalten, damit die Suchmaschinen einwandfrei die Zusammenhänge nachvollziehen können.

Ebenfalls muss auch jede Sprachvariante jeweils einen selbstreferenzierenden HREFLANG im Quellcode enthalten, was ebenfalls öfter ausgelassen wird.

Fazit: HREFLANG = Technical SEO für Fortgeschrittene

Bereits John Mueller von Google hat erklärt, dass der HREFLANG eines der komplexesten technischen Probleme ist, mit denen sich SEOs auseinandersetzen müssen. Die in diesem Artikel angesprochenen Punkte untermauern die Aussage, dass HREFLANG zwar komplex ist, es aber nicht sein muss – am Ende ist es auch nur ein Handwerk mit besonderen Anforderungen, die technischer sind als andere Bereiche der SEO.

Ein Großteil der wahrgenommenen Komplexität von HREFLANG beruht hierbei auf falschen Interpretationen der tatsächlichen Funktionsweise von HREFLANG und kann auch technisch auf übermäßig komplexe, globale Website-Infrastrukturen zurückzuführen sein.

Wenn Sie einen HREFLANG Audit oder Unterstützung bei der konzeptionellen und technischen Umsetzung benötigen, rufen Sie uns gerne an unter 040 – 334 525 86 oder schreiben uns.

Über den Autor

Matthias Haase

Matthias Haase ist bei P&M im Online Marketing Team für SEO zuständig. Seit 20 Jahren ist SEO (auch wenn es da noch keiner so genannt hat) seine Leidenschaft. Egal ob bei KMU oder Konzern, Matthias geht alles getreu seinem Motto an: Lösungen statt Probleme!

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