Tracking ohne Cookies – Alternativen zu Google Analytics & GA 4

Tracking ohne Cookies - wie geht das?

Wer convertiert worüber, wofür? Wie finden meine Kunden mein Webprojekt? Was machen meine Kunden eigentlich so auf meinem Webprojekt und wo klicken Sie? Wo kommen meine Kunden her: von Suchmaschinen, Direkt, per Link oder.. ? 

Ähnliche Fragen stellen sich Webseiten und Online Shop Betreiber genauso wie SEOs, Online Marketinger, Affiliates und natürlich auch SEAs, die Webeanzeigen mit Google Ads, Microsoft Advertising und über weitere Online Werbewege betreiben, jeden Tag.

Doch die Antworten darauf werden immer spärlicher und ungenauer – oder kostspielig. Im Zuge der DSGVO beschleunigt, unterbinden heute viele Browser und Browsererweiterungen das Setzen von Cookies und genauso häufig wird das Tracking durch User:innen abgelehnt.

Dies sorgt im erhöhten Maße für immer größer werdende Lücken und Blindflecken in den Daten, die einem zur Analyse und zum Nachvollziehen von Userströmen fehlen. So dauert es heute viel länger, insbesondere bei Projekten die weniger als 10.000 Besucher und Besucherinnen jeden Tag aufweisen, bis eine aussagekräftige Datenmenge vorliegt und die Interpretation entsprechend zuverlässig. 

Welche Alternativen zu Tracking mit Google Analytics, dem am häufigsten verwendeten Tracking Webtool, es bereits heute gibt und was sie können, zeigen wir im Folgenden!

Vorab: warum wird Tracking mit Cookies immer schwerer?

Die Kritik und der Hintergrund sind die, meistens unsichtbaren, Gefahren die mit Cookies einhergehen können. Datenschützern ist es ein Graus: Das Third Party Cookie. Dieses wird gerne und klassisch für Anzeigentracking und Remarketing verwendet um User:innen personalisierte Anzeigen ausspielen zu können.

Einmal gesetzt, wird das Cookie an jede Webseite, die man besucht, weitergegeben. Was die jeweiligen Webseitenbetreiber und Setzer des Cookies am Ende mit allen Daten und Informationen machen (Ja, sowas kann man auslesen, wenn man will!): Keiner weiß es. 

Im besten Fall einfach nur um über smarte Anzeigenschaltung User:innen in Kundschaft wandeln – im schlimmsten Fall für Phishing und Cyberkriminalität.

Die DSGVO “hilft” zwar theoretisch mit Cookie Banner Pflicht – jedoch bedeutet dies noch nicht, dass auch wirklich nicht getrackt wird, wenn man die Cookies verweigert. Deshalb nutzen viele Browser (muss man oft erst aktivieren) Anti Tracking Funktionen. Aber auch Plugins unterbinden mögliches unerwünschtes Tracking, genauso wie die Nutzung eines VPN (ohne oder mit Tracking Schutz).

Alles durchaus nachvollziehbare Gründe – erschwert es ehrlichen Marketingern jedoch ungemein, doch es gibt Abhilfe und Alternativen!

Google Analytics Alternative: Google Analytics 4 (GA4)

Googles Antwort um Tracking wieder besser erfassbar und auswertbar zu gestalten, ist Google Analytics. Allerdings nicht das altbekannte Universale Google Analytics, sondern die neue Erweiterung Google Analytics 4.

Der Name ähnelt, einige Inhalte/Ansichten ebenfalls – aber eigentlich sind es zwei komplett verschiedene Systeme und Methoden des Trackings.

Google hat Analytics 4 weniger wegen der DSGVO, sondern mehr wegen des CCPA (California Consumer Privacy Act), der in den USA in Kraft getreten ist, jedoch grob ähnliche Ziele wie die DSGVO verfolgt.

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So ist GA4 die Next-Gen-Plattform laut Google mit der man X-Channel Messung, Privacy First Tracking und datenbasierte Vorhersagen aus K.I. und Machine Learning verknüpft und es ermöglicht User:innen über Apps, Webseiten, Shops und andere Softwareanwendungen hinweg zu verfolgen und zu tracken.

Der bisherige Fokus vom alten Analytics lag auf Sitzungen und Seitenaufrufen – bei GA4 verschiebt er sich hin zum Nutzer und dessen Interaktionen und ausgelösten Ereignissen für seine gesamte User Journey ab dem ersten Kontakt. Hierzu wurde die Struktur in GA4 entsprechend angepasst: Datenansichten und Filter fallen weg, die Filterung erfolgt nun direkt über die Berichte (Analysen) im neuen Google Analytics Dashboard. Die Möglichkeiten zur Analyse und Festlegung welche Daten konkret man erheben möchte, sind umfangreicher aber auch komplexer geworden. Ein Standardset wie in GA, jedoch mit überwiegend anderen Metriken, ist vorhanden – jedoch muss der Rest manuell definiert und angelegt werden, damit GA4 diese Daten erhebt.

Neuerungen in Google Analytics 4

Ausgewählte relevante Unterschiede zum alten Google Analytics und damit auch die USPs von GA4 sind:

  • Visualisierung in GA4 bietet nun auch Optionen wie Kohorten- und Trichteranalysen sowie die Analyse einer gesamten Life-Time eines Users
  • Erfassbare und eigene Ziele können (müssen) selbst als Event festgelegt und definiert werden; Standard Interaktionen (click, scroll, ..) sind jedoch schon festgelegt
  • Integration von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning bietet das Prognostizieren von Kundenverhalten an und darüber auch frühzeitiges Erkennen von Trends und Richtungsänderungen
  • Customer Lifecycle: Nutzer stehen im Fokus von GA4 – von der Akquise bis zur Kundenbindung wird ein Nutzer durchs Web und Apps verfolgt und ausgewertet werden
  • Erweitertes Nutzertracking: Nutzer können via Cookie, User-ID, Google Signale oder Geräte-IDs erfasst und getrackt werden
  • Geräte- und Plattformübergreifend: GA4 ermöglicht es Nutzer sowohl über Web als auch App Interaktionen zu erfassen/verfolgen und so auch TouchPoints zwischen Geräten und Plattformen zu identifizieren. Dies gilt sowohl für Online als auch für Offline (!) Aktivitäten!

Google Analytics 4 – Neu, Integrieren oder Upgraden?

Google Analytics 4 kann man sowohl in ein bestehendes Universal Analytics Konto integrieren, indem man eine neue Property im U-GA erstellt und via JavaScript oder Google Tag Manager (GTM) implementiert. Ebenfalls ist es möglich Google Analytics 4 als neues Konto zu erstellen und parallel zum aktuellen Google Analytics laufen lässt.

Aktuell die meistens empfohlene Variante ist ein Upgrade vom alten Google Analytics auf das neue GA4. Hierbei hat man folgende Vorteile:

  • Historische Daten vom Universal GA werden integriert und erhalten
  • Nur noch ein Analytics Konto muss verwaltet werden
  • Wer seit 2017 den GTM benutzt, muss am gtag.js nichts ändern
  • U-GA+GA4 paralleles Tracking möglich über “Upgrade Wizard” (Upgrade to GA4 unter “Property” im GA Admin Bereich)

Ist Google Analytics 4 Zukunftssicher?

Google sagt selbst über Analytics 4, dass sie es als zukunftssichere Lösung mit langlebiger Erwartung an das Analysetool entwickelt haben und Marketinger damit heute schon die Standards von morgen nutzen können.

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Ein Tracking ist möglich sowohl traditionell mit Cookies, aber auch komplett ohne diese. Machine Learning und KI sind nur der Anfang und mit Googles “FLoC”, welches in GA4 integriert ist, kann auch ohne Cookies anonymes Tracking erfolgen und das sogar über Geräte, Apps, Softwareanwendungen, Browser, IPs und On-/Offline hinweg!

Allerdings steht Google Analytics 4 scharf in der Kritik, genau aufgrund dieser FLoC Technologie.

Was ist FLoC (Federated Learning of Cohorts)?

FLoC steht für Federated Learning of Cohorts und ist die neue Alternative von Google für Tracking ohne Third Party Cookies. FLoC soll für mehr Anonymität sorgen, als mit Cookies und zudem nicht auf die Server von anderen Werbetreibenden geladen, sondern lokal beim Webseiten- oder Online Shop Betreiber verschlüsselt abgelegt. Mit FLoC, welches Browser Fingerprinting unterstützt, wird es Werbetreibenden ermöglicht aufgrund von Interessen Anzeigen zu schalten. Hierzu werden die Daten des Suchverhaltens gesammelt und Personen mit identischen Suchanfragen werden gemeinsam in eine Gruppe (Kohorte) zusammengefasst. Dies erfolgt so, dass am Ende keine Einzelperson identifiziert werden kann. Um eine gute Passung von Werbemaßnahmen zu ermöglichen, umfasst die Kohorte einen engen Userkreis (eng = relativ, da es mehrere tausend User:innen je Kohorte sein können). Dies ermöglicht das Ausspielen von spezifisch passender Werbung wie beispielsweise im Remarketing.

Kritik an FLoC und GA4

Kritik entstand bereits früh zu Beginn nach Bekanntgabe seitens Google eine neue Alternative für Third Party Cookies und Tracking ohne Cookies entwickelt zu haben. Mittlerweile haben die meisten Browser, bis auf Googles Chrome und allen auf Chromium basierenden Browsern, Methoden eingebunden welche die FLoC Tracking Methode blockieren sollen. Die Updates wurden hierbei nicht als normale Versionsupdates, die selten automatisch erfolgen, sondern als Sicherheitsupdates ausgespielt, um möglichst alle Browserversionen zeitnah zu erreichen, da diese Updates automatisch erfolgen können. Dies hat natürlich durchaus auch politische und wirtschaftliche Gründe der Chrome und Google Konkurrenten, aber auch einen datenschützerischen Kern.

Die Hauptkritikpunkte an FLoC in der Übersicht:

  • Hauptkritik 1:
    Webseiten wissen über die Surfgewohnheiten von Benutzern, selbst denen, die sie nie besucht haben.
    Dies gilt ebenfalls für User die Cookies von Drittanbietern im Browser blockieren und weitere Schutzmaßnahmen über Plugins oder sogar VPN verwenden – werden ebenfalls (mindestens teilweise) erfasst!
  • Hauptkritik 2:
    FLoC fügt mit Browser Fingerprinting einen starken Identifikator in GA4 ein.
    Während die Kohorten aus kleineren Gruppen (“wenige” Tausend User) bestehen, sind die Größen der Gruppierungen nach Fingerprint jedoch gering mit nur wenigen Usern, was die Anonymität auf Zeit untergräbt
  • Hauptkritik 3:
    Google definiert welche Daten sensibel sind und wie damit umgegangen wird.
    Google sagt zwar, sensible Daten wie sexuelle Ausrichtung, Geschlecht, Ethnie, Religion (u.a.) werden mittels Kohortenbildung durch die Verwendung von FLoC ausgeschlossen – dies bedeutet jedoch, dass die Daten initial erhoben und verarbeitet werden!

Insofern bleibt es abzuwarten, wie sicher die Zukunft von Google Analytics 4 wirklich sein wird und ob es sich nicht doch lohnt zusätzlich auf kostenpflichtige, aber ebenfalls Cookieless Tracking Alternativen umzusteigen. Da GA4 ebenfalls kostenlos ist, kann man die Parallelschiene durchaus fahren.

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Alternativen zu GA und GA4

Ja es gibt sie, echte Alternativen! Unsere Empfehlung sind hierbei Matomo und eTracker:

Tracking Alternative ohne Cookies: Matomo

Matomo, ehemals Piwik, kommt sogar ohne eine aktive Einwilligung der User:innen durch DSGVO aus und bietet Möglichkeiten für mehr und tiefere Analysen. Inhaltlich stark an Google Analytics orientiert (klassische Daten wie Seitenaufrufe, Klicks, Impressions, Bouncerate und Verweildauer auf den Seiten) bietet es auch Tracking für Events und Interaktionen an. Alle gesammelten Daten können segmentiert dargestellt werden und erleichtern eine detaillierte Auswertung. Echtzeitdaten können ebenso erfasst werden wie bei Analytics und als DSGVO Bonus ist Cloud wie Eigenhosting möglich!

Tracking Alternative ohne Cookies: eTracker

eTracker ist neben Matomo die zweite sehr beliebte Google Analytics Alternative. Ein sehr schnelles (Ladezeiten, Reaktionszeiten) Webtool, welches wie Matomo auch einen Cookieless Tracking Modus anbietet, bei dem ebenfalls keine aktive Einwilligung der User:innen nötig ist. Optisch/Inhaltlich unterscheidet es sich deutlich von dem möglicherweise gewohnten Analytics, auch wenn alle bekannten Besucherinformationen und KPIs ebenfalls abrufbar sind. Kampagnentracking samt Google Ads (ehemals AdWords) Integration ist bei eTracker möglich und leichter als bei Matomo, wie auch das Event Tracking (wobei viele Events bereits automatisch gemessen werden ohne extra Anlegung), welches auch interne Webseitenbesuche (z.B. in einem Mitgliederbereich der nur via Login erreichbar ist) mit erfasst. Gerade für Online Shops bietet eTracker professionelles Transaktionstracking an.

Weitere Supporter für mehr Daten

Logfile Analysen, Heatmaps, Mousetracking und die gute alte Google Search Console (GSC) für den organischen (Google) SEO Traffic sind Supporter Plattformen, die Analytics und Alternativen mit weiteren Daten bzw. Ansichten und Informationen ergänzen und vervollständigen können. Daher sollte mindestens die kostenfreie GSC verwendet werden und je nach Projekt(größe und -budget) bieten sich weitere Trackingmöglichkeiten auf der OnPage Ebene der Webseite oderdes Online Shops an.

Leider ersetzen diese nicht professionelle ganzheitliche Trackingplattformen wie Google Analytics und Alternativen, da hier nur bestimmte Aspekte – die oft nicht oder nur spärlich von den gängigen Analyse Webtools erfasst/auswertbar sind – im Fokus stehen.

Sie möchten Tracking ohne Google Analytics oder mit GA4?

Die Entscheidung zu einem Wechsel oder parallelen Fahrens mit mindestens einer Google Analytics Alternative rückt aufgrund der schwindenden Daten immer näher. Doch es gibt viele offene Fragen und Punkte zu berücksichtigen – sowohl was die individuellen Gegebenheiten (Webseite/Online Shop Systeme) angeht, als auch die Umsetzung und Entscheidung welche Alternative (auch die hier Ungenannten) die Passende ist.

Wir von P&M bieten hier als Digitalagentur alle Schritte von Consulting über technische Integration und Online Marketing Monitoring, Reporting & Analyse an und beraten Sie gerne unverbindlich!

Über den Autor

Matthias Haase

Matthias Haase ist bei P&M im Online Marketing Team für SEO zuständig. Seit 20 Jahren ist SEO (auch wenn es da noch keiner so genannt hat) seine Leidenschaft. Egal ob bei KMU oder Konzern, Matthias geht alles getreu seinem Motto an: Lösungen statt Probleme!

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